Qualitätsstandards

Definition der Qualitätsstandards für die Durchführung des Sozialen Lernens

Die vergangenen Jahre haben viele gesellschaftliche Veränderungen mit sich gebracht, die zum Teil einen erheblichen Einfluss auf den Schulalltag haben, wie die Umsetzung der Inklusion oder die Einführung der Ganztagsschule. Um diese wichtigen Veränderungen bewältigen zu können, haben sich die Schulen geöffnet, um Unterstützung für ihren Entwicklungsprozess zu bekommen.

Damit stehen jedoch die Schulen vor einer weiteren Herausforderung, denn zu jedem Thema, so auch zum Sozialen Lernen und der Gewaltprävention, gibt es eine Vielzahl von Anbietern.

Die Schulen müssen folglich bei der Auswahl der Unterstützungsangebote erkennen können, welche Angebote qualitativ geeignet sind, um ihnen eine Hilfe zu sein. Die Anbieter von Maßnahmen, wie z.B. das Soziale Lernen, müssen dementsprechend darstellen, dass sie in der Lage sind, ihre Ziele mit und in der Schule, in der sie umgesetzt werden, zu erreichen. Dieses „Versprechen“ setzt voraus, dass alle Verantwortlichen und Beteiligten im Sozialen Lernen nach den gleichen qualitativen Zielen, Inhalten und Prozessen handeln und diese Standards einhalten.

Die unterschiedlichen Zielgruppen des Sozialen Lernens (Kinder, Eltern und „Fachkräfte“) erfordern ein facettenreiches, methodisches und didaktisches Potenzial des begleitenden Trainers/der Trainerin. Auch wenn sich die Bedingungen von Schule zu Schule – und damit sich das pädagogische Handeln – unterscheidet, so gibt es dennoch einen gemeinsamen Konsens von gemeinsamen Standards, der an jedem Standort erfüllt sein muss.

Der Beginn des Sozialen Lernens in einer Schule muss von den verantwortlichen Personen und Gremien (Schulleitung, Kollegium, Schulpflegschaft) im Vorfeld beschlossen werden.

Zertifizierung der Schulen und Förderung

Alle Schulen, die die Qualitätsstandards des Sozialen Lernen einhalten, können sich zertifizieren lassen und somit in den Genuss einer Förderung durch die Reinhard Mohn Stiftung und den LIONS Förderverein Gütersloh – Teutoburger Wald kommen. Hierzu ist eine Überprüfung durch eine Supervision nötig: Der Evangelische Kirchenkreis hat Frau Angela Laubig (Grundschullehrerin, AD(H)S-Trainerin und Gewaltdeeskalationstrainerin) als Supervisorin für diese Aufgabe gewonnen – sie kommt nach Vereinbarung in die zu zertifizierenden Schulen. Interessierte Schulen wenden sich bitte an den Evangelischen Kirchenkreis Gütersloh, Herrn Wolfgang Laubinger oder Frau Carina Völker.

Zieldefinition

Soziales Lernen soll die emotionalen, sprachlichen und körperlichen Fähigkeiten der Kinder erweitern, die sozialen Kompetenzen der Kinder gezielt fördern, den Zusammenhalt in der Gruppe stärken, sowie verbale und nonverbale Handlungsstrategien für Konfliktsituationen bieten.

Soziales Lernen verbessert so das Klassen- und Schulklima und schafft die Grundlage für gelingende Lernprozesse. Soziales Lernen lässt sich aus den allgemeinen Lehrplänen ableiten und somit als Unterrichtsfach definieren.

Standards

Räumliche Standards

Die räumliche Ausstattung muss eine ausreichende Durchführung des handlungsorientierten Curriculums gewährleisten. Das bedeutet, dass der Raum in seiner Größe einen den Übungsabläufen entsprechend passenden Aktionsradius bieten muss. Darüber hinaus muss ein geeigneter Raum für die Nachbereitung mit den Eltern sowie der Vorbereitung und Planung der Folgestunden vorhanden sein.

Personelle Standards

Soziales Lernen findet in Kooperation zwischen Schule und Eltern gem. den Vorgaben des § 2 Abs. 3 SchG NRW statt. Die Eltern werden dabei im ersten Jahr (ab 2014) von einem zertifizierten Deeskalationstrainer bzw. einer Trainerin begleitet. Grundvoraussetzung für den Trainer/die Trainerin ist eine (mit konzipiertem und durchgeführtem Mustertraining) abgeschlossene Ausbildung zum DeeskalationstrainerIn nach Villigster Standards. Siehe Rubrik Trainer für Soziales Lernen/Trainer werden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die Fähigkeit, sich den jeweiligen Kommunikationsformen im Umgang mit Kindern, Eltern, Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften, die z.B. an Ganztagsschulen tätig sind, adäquat anzupassen.

Als Ergebnis kollegialer Reflexion oder einer separaten Fortbildung ist der begleitende Trainer/die begleitende Trainerin in der Lage, innerhalb der jeweiligen Zielgruppe Konflikte zu erkennen, zu benennen und zu lösen.

Ebenso sollte die Reflexionsfähigkeit der eigenen Arbeit ausgebildet sein (z.B. mittels einer geeigneter Supervision).

Klassenleitung/Lehrkräfte

Die Klassenleitung muss regelmäßig an den wöchentlichen Stunden des Sozialen Lernens teilnehmen (optimal wöchentlich / mindestens einmal im Monat).

Die Teilnahme hat beobachtenden Charakter, u.a. damit die während der Stunde gewonnen Erkenntnisse in die alltägliche Methodik einfließen können und mittels der eingenommenen Außenansicht einzelnes Schülerverhalten deutlicher wahrnehmbar wird.

Wünschenswert wäre zusätzlich eine aktive Teilnahme an den Reflexionsgesprächen im Anschluss an die jeweilige Stunde. Hierbei ist unbedingt die Schweigepflicht aller Beteiligten zu beachten!

Die jeweilige Lehrkraft ist bei evtl. Konflikten zwischen den Beteiligten als Klassenverantwortliche zur Beratung heranzuziehen. Eltern werden im Konzept des Sozialen Lernens im Verlauf ausgebildet; von ihnen wird regelmäßige Teilnahme und die Bereitschaft zur Reflexion der eignen Handelns/der eigenen Rolle im Ablauf der Stunde erwartet.

Jeder Schule soll von den Trainern für die Eltern einmal pro Halbjahr eine Fortbildung bzw. Reflexion/Supervision angeboten werden.

Zeitliche Standards

Soziales Lernen beginnt spätestens mit dem zweiten GS-Schuljahr. Die erste Unterrichtseinheit muss mit einer Stunde pro Woche für den Zeitraum von einem Jahr durchgeführt werden und sollte in einem der Folgeschuljahre gefestigt werden (ein Halbjahr in den Klassen 3 oder 4, oder alternativ auch Projekttage).